Ein Interview der 9d zum Abschied und zur Berufsvorbereitung
Frau Seibel – wir alle kennen sie als geduldige und freundliche Schulsekretärin, aber niemand von uns weiß so richtig, wie sie zu ihrem Beruf kamen. Deswegen haben wir als Klasse 9d uns mit Frau Calhan im Fach WBS überlegt, sie ein bisschen zu interviewen. Denn im WBS-Unterricht geht es gerade um unsere eigene Berufswahl, und wir können viel von Menschen lernen, die bereits einen Beruf gewählt haben.
Frau Seibel ist seit 22 Jahren hier an unserer Schule und bevor sie an die Schloss-Realschule Gaildorf kam, war sie 7 Jahre lang an einer Grundschule.
Ihr Traum war es früher, Lehrerin zu werden, aber damals gab es im Gegensatz zu heute viel zu viele Lehrerinnen und Lehrer und ihr wurde immer gesagt, dass sie sowieso keinen Arbeitsplatz als Lehrerin bekommen würde.
In der Schule war sie sehr gut in Sprachen, und nun kann sie Englisch, Spanisch und Französisch sprechen. Sie hat aber Mathe gehasst. Nachdem sie mit 15 ihren Realschulabschluss bekommen hatte, war sie sich unsicher, wie es weitergehen sollte und was sie für einen Beruf lernen sollte. Darum machte sie noch das Abitur. Dann merkte sie, dass sie Schiffe sehr interessant findet und begann eine Ausbildung als Schifffahrtskauffrau in ihrer Heimatstadt Bremen.
Bei der Ölkrise in den 70er Jahren hat die Deutsche Bank viel Geld verloren, sehr viele Firmen, auch der Betrieb in dem Frau Seibel arbeitete, gingen pleite, wodurch viele Menschen keinen Arbeitsplatz mehr hatten. Um ihre Ausbildung fertig machen zu können, wurde sie von einer anderen Reederei übernommen und konnte in Hamburg zu Ende lernen. Da Bremen und Hamburg zwei verschiedene Bundesländer sind, musste sie die schulische Ausbildung (Berufsschule) weiterhin in Bremen machen. Darum fuhr sie täglich zur Arbeit mit dem Zug von Bremen nach Hamburg. In ihrem neuen Betrieb durfte sie sogar auf einem Schiff mitfahren, was ihr sehr gefiel.
Dann hat sie ihren Mann aus Stuttgart kennengelernt und ist jedes zweite Wochenende von Hamburg nach Stuttgart gefahren. Das war anstrengend und deswegen ist sie nach Stuttgart umgezogen. Dort hat sie dann glücklicherweise in einer amerikanischen Reederei als „Customer Service Secretary“ arbeiten können.
Dann sind sie und ihr Mann von Stuttgart nach Michelbach/Bilz gezogen, wo sie ihre Kinder bekommen hat und dann gefragt wurde, ob sie nicht als Pfarramtssekretärin anfangen möchte, da sie ja davor schon etwas in die Richtung Sekretärin gemacht hatte.
Schließlich wurde sie gefragt, ob sie als Schulsekretärin in einer Grundschule anfangen möchte. Dort war sie dann auch sieben Jahre lang, bevor sie zu uns an die Realschule gekommen ist. Hier arbeitet sie nun schon ganze 22 Jahre lang, und nun geht sie vor den Herbstferien in den Ruhestand.
Wenn sie in Rente ist, möchte sie gerne reisen. Sie fährt auch gerne immer wieder ans Meer zurück und findet Hamburg schöner als Stuttgart.
Wir als Klasse fanden es dann noch interessant zu wissen, wie es als Schulsekretärin so ist und wie Frau Seibels Alltag so abgelaufen ist.
Sie meinte, dass man als Schulsekretärin vor allem eine Vertrauensperson sein für viele Menschen muss und dass ihr Beruf sehr vielseitig ist. Sie meinte auch, umso älter sie wird, umso mehr strengt es ihre Nerven an, da sie ja nie eine Sache zu Ende machen kann, ohne dass sie von einem Schüler oder einer Schülerin unterbrochen wird, weil ja immer wieder welche kommen – weil es ihnen schlecht geht, weil sie einen Kühlakku brauchen oder wegen ganz verschiedenen Dingen. Sie meinte, dass man als Schulsekretärin gute Nerven haben muss, man gut in kaufmännischem Rechnen sein muss und man gut mit Menschen klarkommen muss.
Sie fängt jeden Morgen um 7:00 Uhr an und arbeitet bis 16:00 Uhr, außer freitags – da von 7:00 bis 13:00 Uhr. Teilweise war sie sogar in den Ferien in der Schule und hat gearbeitet. Dafür muss sie sich aber zu Hause nicht mehr um den Haushalt kümmern, da ihr Mann im Ruhestand ist und sich darum kümmert.
Wir fragten sie auch noch, was sie uns auf unseren weiteren Weg mitgeben würde. Sie meinte, dass wir mindestens eine Sache, z. B. eine Ausbildung, durchziehen sollen und nicht abbrechen sollen und, dass wir wertschätzen sollen, was wir an der Schule alles lernen dürfen.
Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte, würde sie alles noch einmal genauso machen, aber in der heutigen Zeit würde sie sich in Richtung Sprachen begeben.
Wir als Schule wollen uns ganz herzlich bei Frau Seibel für die schöne Zeit mit ihr und dafür, dass sie immer für uns da war, bedanken.
Wir wünschen ihr für ihren Ruhestand alles Gute, schöne Reisen und ein langes und gesundes Leben mit ihrem Mann.
Souri, Melina und Zoey, Klasse 9d















